Die 5 schönsten Panoramastrecken der Bahn
Manche Zugstrecken bringen dich von A nach B. Andere sind das eigentliche Reiseziel – mit Kehrschleifen, die sich im Berg um sich selbst drehen, mit Blick auf UNESCO-Welterbe oder mit einer Dampflok, die seit 1895 durch dieselben Hügel schnauft.
Diese Liste zeigt dir fünf Strecken quer durch Deutschland, bei denen sich der Blick aus dem Fenster lohnt. Und sie beginnt mit der Rechnung, die sonst meist erst am Bahnsteig auffällt.
Kurz gesagt
- Drei der fünf Strecken kosten mit dem Deutschlandticket nichts extra: Mittelrheintal, Schwarzwaldbahn und Höllentalbahn sind regulärer Regionalverkehr.
- Zwei kosten 12 Euro Zuschlag pro Person und Tag: die Zittauer Schmalspurbahn und der Rasende Roland auf Rügen. Beide erkennen das Deutschlandticket an, beide verlangen dafür einen Aufschlag.
- Die steilste Rampe fährt die Höllentalbahn: rund 400 Höhenmeter auf zwölf Kilometern zwischen Himmelreich und Hinterzarten, ohne Zahnrad.
- Die meiste Ingenieurskunst steckt in der Schwarzwaldbahn: 448 Höhenmeter, 36 Tunnel und zwei Kehrschleifen, die sich im Berg um sich selbst drehen.
- Für spontane Tagesausflüge eignet sich das Mittelrheintal am besten — dichter Takt, enge Halteabstände, zwei parallele Strecken.
Zuerst die Tarifwahrheit: drei Strecken gratis, zwei mit 12 Euro Zuschlag
Drei der fünf Strecken – Mittelrheintal, Schwarzwaldbahn und Höllentalbahn – sind ganz normaler Regionalverkehr. Deutschlandticket einstecken, einsteigen, fertig.
Die beiden anderen sind historische Schmalspurbahnen mit eigenem Tarif, und dort gilt eine Zwischenlösung, die viele überrascht: Das Deutschlandticket wird anerkannt, aber nur gegen einen Zuschlag.
- Rasender Roland (Rügen): Die Preisliste der Rügenschen BäderBahn führt dafür einen eigenen Posten — wörtlich: „Sonderzuschlag Tageskarte zum Deutschlandticket 12,00 €“, dazu „Sonderzuschlag Wochenkarte zum Deutschlandticket 36,00 €“. Zum Vergleich: Die reguläre Tageskarte kostet 35 Euro.
- Zittauer Schmalspurbahn (Sachsen): Die Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft schreibt auf ihrer Tarifseite: „Das Deutschlandticket ist auch auf der Schmalspurbahn gültig. Pro Person und Tag ist ein einmaliger Historik-Zuschlag von 12 Euro (normal) bzw. 8 Euro (ermäßigt) zu zahlen.“
Das ist kein Ausschluss, sondern ein Rabatt – und es ist dasselbe Muster wie bei den Harzer Schmalspurbahnen, wo das Ticket im Regelnetz gilt und nur die Brockenfahrt extra kostet. Wo das Deutschlandticket sonst noch an Grenzen stößt, steht ausführlich in unserer vollständigen Liste dessen, was das Deutschlandticket nicht abdeckt.
Fünf Strecken, bei denen die Fahrt das Ziel ist
01 — Mittelrheintal: 40 Burgen auf 65 Kilometern
Strecke: Koblenz–Boppard–Bingen/Mainz · Zug: RB 26, dichter Takt · Zuschlag: keiner
🚆 Regionalverkehr, komplett im Deutschlandticket 🏰 UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal
Rund 65 Kilometer führt die Strecke durch das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal – vorbei an über 40 Burgen und Burgruinen, an steilen Weinbergterrassen und an der Loreley. Kaum eine andere deutsche Bahnstrecke bringt so viele Sehenswürdigkeiten auf so kurzer Distanz zusammen, und praktisch keine ist so gut für Spontane geeignet: Die Halte liegen eng, der Takt ist dicht, ein verpasster Zug kostet dich keine zwei Stunden.
Ein Detail, das den Unterschied macht: Durch das Tal laufen zwei parallele Strecken, eine auf jeder Rheinseite. Fährst du hin auf der einen und zurück auf der anderen, siehst du dieselbe Landschaft zweimal aus komplett verschiedenen Blickwinkeln – ohne Aufpreis.
💡 Pro-Tipp: Wer im Herbst fährt, fährt mitten in die Weinlese. Die Steillagen am Mittelrhein gehören zu den steilsten Weinbergen Europas, und die Lese läuft dort bis in den Oktober – welche Regionen sich wann lohnen, steht in unserem Guide zur Weinlese in den schönsten Weinregionen. Als Ausstieg lohnt Boppard: Die größte Rheinschleife und die Weinberge des Bopparder Hamm beginnen direkt am Ort.
02 — Schwarzwaldbahn: 448 Höhenmeter, 36 Tunnel, zwei Schleifen im Berg
Strecke: Offenburg–Triberg–St. Georgen–Konstanz · Herzstück: Hornberg (384 m) bis Sommerau (832 m) · Zuschlag: keiner
🚆 RE im Stundentakt, elektrifizierte Hauptstrecke ⛰️ 11 km Luftlinie, gestreckt auf 26 km Bahnstrecke
Das technische Herzstück liegt zwischen Hornberg und Sommerau: 448 Höhenmeter, die auf gerade einmal elf Kilometern Luftlinie zu überwinden wären. Robert Gerwig hat sie stattdessen auf 26 Kilometer Bahnstrecke gestreckt – mit 36 Tunneln und zwei Kehrschleifen, die sich im Berginneren um sich selbst drehen, damit die Steigung nie über 20 Promille klettert.
Das Verblüffende daran: Du siehst von der eigentlichen Ingenieursleistung fast nichts, weil sie im Fels steckt. Du merkst sie. Nach einem langen dunklen Abschnitt liegt dasselbe Tal wieder vor dem Fenster, nur deutlich tiefer. Höchster Punkt der Strecke ist Sommerau auf 832 Metern.
💡 Pro-Tipp: Steig in Triberg aus. Die Triberger Wasserfälle liegen fußläufig vom Bahnhof, und das Ticket gilt dort auch fürs Schwarzwaldmuseum – Preise und Öffnungszeiten stehen in unserem Guide zu den Wasserfällen in Deutschland. Wer nur den spektakulärsten Teil fahren will, nimmt den Abschnitt Hornberg–St. Georgen und spart sich den Rest.
03 — Zittauer Schmalspurbahn: Dampf ins kleinste Mittelgebirge
Strecke: Zittau–Bertsdorf–Oybin bzw. Jonsdorf · Fahrzeit: ca. 45 Min · Zuschlag: 12 € pro Tag (ermäßigt 8 €)
🚂 Schmalspur seit 1890, Dampf- und Dieselbetrieb 🎟️ Deutschlandticket gilt nur mit Historik-Zuschlag
Seit den 1890er-Jahren dampft diese Schmalspurbahn durch das Zittauer Gebirge, das kleinste Mittelgebirge Deutschlands, hinauf zum Kurort Oybin mit seiner Burg- und Klosterruine auf dem Felsen. Betrieben wird sie von der Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft, nicht von der DB – daher der eigene Tarif.
Bertsdorf ist der Schlüsselbahnhof: Dort teilt sich die Strecke. Links geht es nach Oybin zur Burgruine, rechts nach Jonsdorf zu den Nonnenfelsen. Wer Zeit hat, fährt eine Richtung, wandert in zwei bis drei Stunden hinüber und fährt von der anderen Endstation zurück – der Zuschlag gilt ohnehin für den ganzen Tag.
💡 Pro-Tipp: Der Zuschlag ist ein Tagesticket, kein Fahrschein für eine Fahrt. Wer ihn zahlt und dann nur einmal hin und zurück fährt, verschenkt Geld. Plan von vornherein mit mehreren Fahrten – Zittau, Bertsdorf, Oybin und Jonsdorf lassen sich an einem Tag bequem kombinieren.
04 — Rasender Roland: 130 Jahre Dampf an der Ostsee
Strecke: Lauterbach Mole–Putbus–Binz–Sellin–Baabe–Göhren · Tempo: rund 30 km/h · Zuschlag: 12 € pro Tag (Woche 36 €)
🚂 Dampfbetrieb seit 1895, rund 24 km Schmalspur 🎟️ Tageskarte regulär 35 € – mit Deutschlandticket 12 €
Die über 130 Jahre alte Schmalspurbahn verbindet die bekannten Ostseebäder Rügens miteinander und schnauft dabei mit rund 30 Stundenkilometern durch Hügelland und Buchenwald, vorbei am Jagdschloss Granitz. Das ist keine Strecke, auf der man ankommen will. Das ist eine Strecke, auf der das Fenster offen steht und Kohlerauch hereinweht.
Der Rasende Roland ist die Bahn dieser Liste mit dem deutlichsten Preisvorteil durchs Deutschlandticket: 12 statt 35 Euro für einen Tag mit beliebig vielen Fahrten. Für eine einzige kurze Fahrt lohnt sich dagegen die Einzelfahrkarte ab 3,20 Euro.
💡 Pro-Tipp: Einige Halte sind Bedarfshaltestellen – dort hält der Zug nur, wenn du es vorher sagst. Sprich das Zugpersonal rechtzeitig an, nicht erst beim Einfahren. Auf einer Strecke mit diesem Tempo ist der Rückweg von der nächsten Station kein Spaziergang mehr, sondern ein Fußmarsch.
05 — Höllentalbahn: die steilste Rampe ohne Zahnrad
Strecke: Freiburg Hbf–Himmelreich–Hinterzarten–Titisee · Rampe: rund 400 Höhenmeter auf 12 km · Zuschlag: keiner
🚆 Nahverkehr, seit 2019 durchgehend elektrifiziert 🌉 Ravenna-Viadukt, 37 m über der Schlucht
Zwischen Himmelreich und Hinterzarten klettert die Höllentalbahn rund 400 Höhenmeter auf zwölf Kilometern und gilt damit als eine der steilsten Adhäsionsstrecken Deutschlands – also ohne Zahnradantrieb, allein über die Reibung von Stahl auf Stahl. Die Fahrt durch das enge Höllental, vorbei an senkrechten Felswänden und über das Ravenna-Viadukt, gehört zu den dramatischsten Zugfahrten des Landes.
Ja, der Schwarzwald steht damit zweimal in dieser Liste. Aus gutem Grund: Die Schwarzwaldbahn löst das Höhenproblem, indem sie den Berg umgeht und sich in ihm dreht. Die Höllentalbahn löst es, indem sie frontal hochfährt. Zwei entgegengesetzte Antworten auf dieselbe Frage, 60 Kilometer voneinander entfernt.
💡 Pro-Tipp: Diese Strecke lässt sich am besten zu Fuß ergänzen. Der Bahnhof Himmelreich liegt direkt am Eingang der Ravennaschlucht – du steigst aus und stehst am Weg, wanderst durch die Schlucht unter dem Viadukt hindurch und nimmst in Hinterzarten wieder den Zug. Die komplette Etappe steht in unserem Guide zu Tageswanderungen mit garantierter Rückfahrt.
D-Ticket Knigge 2026 — Panoramastrecken
Drei von fünf Strecken sind zuschlagsfrei. Mittelrheintal, Schwarzwaldbahn und Höllentalbahn fährst du ohne einen Cent extra. Das Deutschlandticket kostet seit 1. Januar 2026 63 Euro im Monat (ermäßigt 43 Euro). Ab 1. Januar 2027 kostet es 66,80 Euro im Monat (Beschluss des Koordinierungsrats vom 30.9.2026, Stand 1.10.2026; der Preis für 2028 wird im Herbst 2027 festgelegt).
Museumsbahnen sind eigene Tarifwelten – aber keine geschlossenen Türen. Zittauer Schmalspurbahn und Rasender Roland werden von eigenen Eisenbahngesellschaften betrieben. Beide erkennen das Deutschlandticket an und verlangen dafür 12 Euro Zuschlag pro Tag. Das ist die Regel bei historischen Schmalspurbahnen, nicht die Ausnahme – im Zweifel vorher die Tarifseite des Betreibers lesen, nicht die Reiseportale.
Der Zuschlag gilt pro Tag, nicht pro Fahrt. Wer ihn einmal zahlt, sollte den Tag auch ausnutzen. Bei beiden Bahnen sind mehrere Fahrten eingeplant deutlich sinnvoller als eine einzelne Hin- und Rückfahrt.
Fensterseite bewusst wählen. Im Mittelrheintal liegen die markantesten Burgen je nach Fahrtrichtung auf der anderen Seite, bei der Höllentalbahn liegt die Schlucht talwärts rechts. Fünf Sekunden Nachdenken vor dem Hinsetzen entscheiden über die Aussicht der nächsten Stunde.
App-Empfehlung. DB Navigator für die drei Regionalstrecken, dazu die Seiten der Betreiber – Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft für Zittau, Rügensche BäderBahn für den Rasenden Roland – für Fahrplan, Dampflokeinsatz und aktuelle Zuschlagshöhe.
Die perfekte Packliste für eine Panoramafahrt. Geladenes Handy oder Kamera, etwas zu essen für die längeren Abschnitte, Bargeld für die Zuschläge bei den beiden Schmalspurbahnen – und warme Kleidung, wenn du an einem der hoch gelegenen Bahnhöfe wie Sommerau, Hinterzarten oder Oybin aussteigst. Dort ist es regelmäßig mehrere Grad kälter als im Tal.
Quellen
- ruegensche-baederbahn.de – Rügensche BäderBahn: Fahrkartenpreise, Sonderzuschlag zum Deutschlandticket (12 € Tageskarte, 36 € Wochenkarte), Streckenverlauf Lauterbach Mole–Göhren
- zittauer-schmalspurbahn.de – Zittauer Schmalspurbahn: Tarife, Historik-Zuschlag zum Deutschlandticket (12 €, ermäßigt 8 €)
- regional.bahn.de – Schwarzwaldbahn: 448 Höhenmeter Hornberg–Sommerau, 36 Tunnel, zwei Kehrschleifen, 11 km Luftlinie auf 26 km Strecke
- hochschwarzwald.de – Höllentalbahn: rund 400 Höhenmeter zwischen Himmelreich und Hinterzarten, Elektrifizierung seit 2019
- wissen.deutschlandticket.de – Preis des Deutschlandtickets ab 1. Januar 2026
Stand: September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr – Zuschläge und Fahrpläne der Museumsbahnen können sich ändern. Bitte vor der Fahrt die aktuellen Tarifangaben der jeweiligen Betreiber prüfen.
Häufige Fragen
- Gilt das Deutschlandticket auf allen fünf Strecken?
- Ja, auf allen fünf – aber nicht überall kostenlos. Mittelrheintal, Schwarzwaldbahn und Höllentalbahn sind regulärer Regionalverkehr und damit vollständig abgedeckt. Bei den beiden historischen Schmalspurbahnen, der Zittauer Schmalspurbahn und dem Rasenden Roland auf Rügen, wird das Deutschlandticket anerkannt, du zahlst aber einen Zuschlag von 12 Euro pro Tag und Person. Der ist bei beiden Bahnen zufällig gleich hoch.
- Lohnt sich der 12-Euro-Zuschlag beim Rasenden Roland?
- Rechnerisch ja, wenn du mehr als eine kurze Fahrt machst. Die reguläre Tageskarte der Rügenschen BäderBahn kostet 35 Euro, mit Deutschlandticket zahlst du für denselben Tag 12 Euro. Für eine einzelne kurze Fahrt über eine oder zwei Tarifstufen bist du mit der Einzelfahrkarte ab 3,20 Euro günstiger unterwegs.
- Welche Strecke eignet sich am besten für einen spontanen Tagesausflug?
- Das Mittelrheintal. Die Züge fahren dicht getaktet, die Halte liegen eng beieinander, und du kannst praktisch an jedem Bahnhof spontan aussteigen, ohne dass dir der Anschluss für Stunden wegbricht. Bei den beiden Schmalspurbahnen willst du dagegen vorher in den Fahrplan schauen.
- Muss ich für die Schwarzwaldbahn die komplette Strecke fahren?
- Nein. Das technische Herzstück liegt zwischen Hornberg und St. Georgen, dort liegen die beiden Kehrschleifen und die meisten Tunnel. Wer nur einen Teilabschnitt fahren will, steigt in Hornberg ein und in St. Georgen oder Triberg wieder aus.
- Was ist eine Kehrschleife, und warum sieht man sie nicht?
- Eine Kehrschleife ist eine fast kreisförmige Schleife, mit der eine Bahnstrecke Höhe gewinnt, ohne steiler zu werden. Bei der Schwarzwaldbahn liegen beide Schleifen größtenteils im Berg, in Tunneln. Man sieht sie also nicht, man merkt sie: Nach einer langen dunklen Passage taucht dieselbe Landschaft wieder auf, nur deutlich tiefer unter dir.
- Fährt die Zittauer Schmalspurbahn ganzjährig mit Dampf?
- Die Bahn verkehrt ganzjährig, der Dampflokeinsatz ist aber nicht an jedem Tag garantiert und wechselt sich mit Dieseltraktion ab. Wer wegen der Dampflok kommt, prüft vorher den Fahrplankalender der Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft für den gewünschten Tag.
- Was mache ich, wenn ich beim Rasenden Roland an einem Bedarfshalt aussteigen will?
- Rechtzeitig dem Zugpersonal Bescheid sagen. An Bedarfshaltestellen hält der Zug nicht automatisch, und auf einer Strecke mit rund 30 Kilometern pro Stunde Höchstgeschwindigkeit ist der nächste reguläre Halt schnell ein längerer Rückweg.
- Sind diese Strecken auch bei Höhenangst machbar?
- Höllentalbahn und Schwarzwaldbahn führen streckenweise an Steilhängen und über Viadukte, du sitzt dabei aber im geschlossenen Wagen und nicht auf einem Weg am Abgrund. Wer Brücken generell meidet, setzt sich auf die Bergseite: bei der Höllentalbahn talwärts rechts, bergwärts links.